Der kenianische Ökonom James Shikwati sorgte vor einigen Jahren mit seiner Forderung, dass der Westen die Entwicklungshilfe für Afrika sofort stoppen sollte, für großes Aufsehen. Seine Meinung hat er bis heute nicht geändert.

Interview
Bild: Grabka | laif
DamenSchuhe Sneakersamp; Versace Jeans Low Tennisschuhe XiuwkZTOPl
Diesen Artikel teilen
Facebook
Twitter
Mail
Sport Don't On Bogs Kids Athletic Memorial Sales Whitefish Day Miss Pk0nOw
Whatsapp
Whatsapp
Copy Link
12.02.2019

Flucht und Migration zählen zu den Hauptthemen der Gipfelkonferenz der Afrikanischen Union in Addis Abeba. In unserer ersten Ausgabe der Addendum-ZeitungGobi Vivobarefoot Women Black 2 0 Hi 76gvYbfy haben wir uns mit dieser Thematik ausführlich beschäftigt. Einige Geschichten aus unserer Printzeitung wurden jetzt aus aktuellem Anlass auch online aufbereitet.

Gegenwärtig scheint es, dass sich das Interesse Europas an Afrika darauf beschränkt, dass man ­Migranten den Weg nach Europa unmöglich ­machen will. Das heißt, man versucht, die Grenzen so dicht wie möglich zu machen, gleichzeitig hört man die ewig gleichen Stereotype, wie man die Fluchtursachen direkt in Afrika selbst lösen möchte: mit mehr Entwicklungshilfe; dazu kommen Ideen von Landungszentren für Migranten im Tschad, im Niger etc. Wie sehen Sie diese Bemühungen?  

James Shikwati: Ich denke, Europa nimmt bei seinen Anstrengungen wenig Rücksicht auf die ­eigene Geschichte, wir dürfen nicht vergessen, dass Europa selbst im 17. Jahrhundert eine der größten Migrationsbewegungen der Welt hervorgebracht hat. Das, was Europa mit mehr Entwicklungshilfe und Landungszentren plant, geht von der Annahme aus, dass Migration ausschließlich durch Push-Faktoren aus Afrika, also durch politische Instabilität und niedrige Lebensstandards, getrieben wird. Dieser Ansatz berücksichtigt weniger die Pull-Faktoren aus Europa­ selbst, nämlich die alternde Bevölkerung und die Nachfrage nach Arbeitskräften.

Aber wie können die Migrationsbewegungen, vor ­allem die Flucht über das Mittelmeer mit bislang tausenden Toten, eingedämmt werden? 

Migration sollte als Herausforderung und ­Chance­ gesehen werden und nicht nur als Problem. Natürlich ist es für extreme politische Positionen in Europa praktisch, Migranten als Ursache aller ­gesellschaftlichen Probleme zu benennen. Aber die Herausforderungen sind komplexer, und es gibt keine einfachen Rezepte dafür.

Top Kommentar

a0051
6 min12.02.2019

Der Westen sollte die Entwicklungshilfe für Afrika sofort stoppen, fordert der Ökonom James Shikwati.

Der Autor

Stefan Kaltenbrunner
Chefredakteur
x

Was sollte Europa tun?

Sport Don't On Bogs Kids Athletic Memorial Sales Whitefish Day Miss Pk0nOw

Es muss die Möglichkeit geschaffen werden, dass Migranten legal nach Europa einwandern können. Dabei muss natürlich auf die Bedürfnisse der europäischen Bevölkerung Rücksicht genommen werden, aber es sollte klar aufgezeigt werden, dass Migranten jenem Vakuum entgegenwirken können, das durch die alternde Bevölkerung entsteht.

Stephen Smith glaubt, dass Millionen junger Afrikaner aufgrund der demografischen Entwicklung in den nächsten 50 Jahren versuchen werden, nach Europa zu emigrieren. Hält die These? 

Demografische Trends weisen auf diese Möglichkeit hin. Die Rechnung geht jedoch davon aus, dass Europa in den nächsten 50 Jahren seinen Status als Anziehungspunkt behalten wird. Die anhaltenden geopolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Richtung Asien zeigen aber vielleicht eine neue Weltordnung, die Afrikaner dazu bringen könnte, eher nach Asien emigrieren zu wollen.

Das klingt jetzt alles sehr theoretisch, deshalb nochmals meine Frage, wie Europa vernünftig mit Migration umgehen soll.

Es braucht die Möglichkeit einer legalen Einwanderung. Noch viel wichtiger wäre freilich, dass Produktionsstätten endlich nach Afrika verlegt werden. Afrika liefert Rohstoffe in die reiche Welt, dort wird die eigentlich profitable Weiterverarbeitung betrieben. Und von dieser riesigen Mehrwertschöpfung ­bekommt der Kontinent nur einen kleinen Teil als Entwicklungshilfe zurück.

News
28.12.2018 7 min
Sport Don't On Bogs Kids Athletic Memorial Sales Whitefish Day Miss Pk0nOw

Sie sorgten vor ein paar Jahren mit der Aussage für Aufsehen, dass westliche Staaten ihre Entwicklungshilfe in Afrika sofort einstellen sollten. Was ist so schlimm an der Entwicklungshilfe? 

Der Begriff Entwicklungshilfe verschweigt gerne die Tatsache, dass reiche Länder damit Geschäfte machen und ärmere Länder fälschlicherweise glauben, dass ihnen geholfen wird. Es ist die ganze Idee der Entwicklungshilfe, dass man sich hilfsbedürftig fühlt, obwohl man eigentlich alles hat, um selber mehr Einkommen zu generieren. Im Geschäftsleben werden Transaktionen in der Regel auf Augenhöhe abgewickelt, bei „Hilfe“ ist der Empfänger gezwungen, sich an die Vorgaben des Spenders zu halten. Trotz unserer gigantischen Ressourcen bleiben wir Bittsteller. Entwicklungshilfe schwächt überall die lokalen Märkte und den Unternehmergeist, den wir so dringend brauchen. Sie ist einer der Gründe für Afrikas Probleme, so absurd das klingen mag.

Was wäre die Alternative zur Entwicklungshilfe? 

Wir brauchen Anreize, um Unternehmen aus wohlhabenden Staaten nach Afrika zu bringen, ­damit sie hier auch produzieren. Seit den 50er und 60er Jahren sind rund zwei Billionen Dollar Entwicklungshilfe auf den afrikanischen Kontinent geflossen, ohne wirklich nennenswerte Erfolge zu verzeichnen.

Sie sagen, dass humanitäre Hilfe auch ein Grund für humanitäre Probleme sein kann. Können Sie das ­näher erklären? 

Humanitäre Hilfe kann, wenn sie nicht klug verwaltet wird, ein sich selbst erhaltendes Ökosystem schaffen und zerstört oftmals mehr, als sie schlussendlich bringt. Humanitäre Hilfe schafft die gleichen Abhängigkeiten wie Entwicklungshilfe.

Sport Don't On Bogs Kids Athletic Memorial Sales Whitefish Day Miss Pk0nOw

Top Kommentar

Addendum-Zeitung

Hier können Sie Mitglied der Neigungsgruppe Addendum werden und erhalten die Addendum-Zeitung und andere Vorteile.

Boracay Foam V2 Damen Laufschuhe Go Wild New Balance Vogue Fresh YgyIb6f7v

Soll man die Leute also verhungern lassen? Selbst in Kenia gibt es Hungerkatastrophen.  

Nein, aber es würde nur den politischen Willen brauchen, die Produktivität der Menschen zu fördern. Wir müssen in effiziente Logistik und Technologien investieren, damit sich Hungerkatastrophen nicht wiederholen. Viele Regierungen in Afrika verfügen zwar über die modernsten Militärs, aber ihre Bauern bestellen die Felder mit archaischen Mitteln. Dabei gäbe es in Afrika genug Lebensmittel, das Problem ist die Verteilung, und die wäre einfach zu lösen.

Ist Ihre Kritik an Entwicklungshilfe nicht eher als Kritik an den afrikanischen Regierungen zu verstehen?

An den sogenannten Regierungen in Afrika. Entwicklungshilfe, besonders wie sie von westlichen Ländern praktiziert wird, unterstützt das Nationalstaatenprojekt, das während der Teilung Afrikas in Berlin im Jahr 1845 geschaffen wurde. In Wirklichkeit sind diese Regierungen einfach eine Clique von Eliten, die den Interessen der reichen Länder dient und die gegen die eigene Bevölkerung auftritt. Das ist auch einer der Gründe, warum Demokratie, wie sie in Afrika praktiziert wird, eher zum Ritual wird, das mehr Rücksicht auf dieses Staatenprojekt als auf die Bedürfnisse der Bevölkerung nimmt.

Warum fällt es den Menschen in Afrika so schwer, sich von den korrupten Eliten zu befreien? 

Das große Dilemma sind die konstruierten ­Nationalstaaten, die künstlich über sogenannte Wahlen über die Jahrzehnte am Leben erhalten werden. Dementsprechend schwach sind die staatlichen ­Institutionen, und die Geberländer sind tief in Korruption verwickelt. Das ist ein in sich geschlossener Kreislauf, der sehr schwer zu durchbrechen ist. Und es ist für Einzelne, aber auch für politische Gruppierungen, meistens viel zu gefährlich, sich gegen dieses System aufzulehnen.

Sie lehnen die Entwicklungshilfe des Westens ab, aber wie sehen Sie das Engagement von China? 

China bietet Afrika ein sehr enges Zeitfenster, die eigenen Vermögenswerte als Hebel zu benutzen, um die wichtigsten kontinentalen Probleme voranzutreiben. Damit meine ich vor allem, dass große Infrastrukturprojekte quer über den Kontinent gefördert werden, damit größere und länderübergreifende Handelszonen entstehen können.

Aber ist das nicht eine neue Kolonialisierung, geht ­Afrika damit nicht in eine neue Abhängigkeit? 

Natürlich, ohne eine langfristige Perspektive riskiert Afrika, in eine neue Spirale der Abhängigkeit zu rutschen und dadurch in eine neue Schuldenfalle zu tappen. Die afrikanischen Länder müssen deshalb dringend ihre Prioritäten von Eigen- auf langfristige kontinentale Interessen verlagern.

Top Kommentar

Sport Don't On Bogs Kids Athletic Memorial Sales Whitefish Day Miss Pk0nOw

Aber was ist der Unterschied zwischen dem Engagement Chinas und dem des Westens in Afrika? 

China will Geschäfte machen und sieht Afrika als Ganzes, Europa versucht in jedem der 55 Länder unterschiedliche Prioritäten zu setzen.

Viele Probleme Afrikas werden durch Kolonialisierung erklärt. Hält die These heute überhaupt noch, oder ist das eine Schutzbehauptung? 

Ja, das ist eine Schutzbehauptung. Die Kolonialisierung war nur eine der kritischen Epochen, mit der sich die aktuellen Probleme Afrikas erklären lassen, aber sie prägt das Bild. Das eigentliche Problem ist, dass Afrika an den globalen Handels- und Kapitalsystemen von der ersten industriellen Revolution bis hin zur vierten industriellen Revolution niemals wirklich teilgenommen hat. Das heißt, dem Kontinent war es nicht möglich, seine Vermögenswerte und sein Kapital für den globalen Markt zu nutzen, um dadurch zu Wohlstand zu kommen.

Wenn Sie ein positives Bild des aktuellen Afrika ­zeigen wollen, wie würde das aussehen? 

Trotz aller Probleme: Der Kontinent ist jung und dynamisch, und es bewegt sich etwas in Afrika. Die Urbanisierung schreitet voran, die Infrastruktur entwickelt sich mit hoher Geschwindigkeit, das alles schafft völlig neue Möglichkeiten. Was mir Hoffnung gibt, sind das afrikanische Volk, die afrikanischen Kulturen und die afrikanischen Unternehmen, sie zählen zu den widerstandsfähigsten aller Zeiten. 

Sport Don't On Bogs Kids Athletic Memorial Sales Whitefish Day Miss Pk0nOw

Top Kommentar

Diesen Artikel teilen
Facebook
Twitter
Mail
Whatsapp
Whatsapp
Copy Link
Sport Don't On Bogs Kids Athletic Memorial Sales Whitefish Day Miss Pk0nOw
12.02.2019

Lesen Sie auch:

Der Autor

Stefan Kaltenbrunner
Chefredakteur
x

Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Addendum ist nicht werbefinanziert und nutzt Cookies, um mehr über das Nutzerverhalten zu erfahren und so das Angebot zu verbessern.
Hier erfahren Sie mehr über Cookies und Datenschutz bei Addendum.

Sport Don't On Bogs Kids Athletic Memorial Sales Whitefish Day Miss Pk0nOw
  • Alle Projekte im Überblick
  • Alle TV-Reportagen
  • Alle Videos
  • News
  • Investigativ
  • Politisches Feuilleton
  • Politometer
  • Regierungstracker
  • Community
  • Zeitung
  • Mitgliedschaft
  • Shop
  • Vertraulicher Kontakt
  • Über Addendum
    • Team
  • Allgemeine Nutzungsbedingungen
  • Redaktionelle Richtlinien
  • Sport Don't On Bogs Kids Athletic Memorial Sales Whitefish Day Miss Pk0nOw
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Newsletter
  • Kontakt

Zum Newsletter anmelden

Jede Woche informieren wir Sie über unser aktuelles Projekt mit tiefgründigen Recherchen.

Zum Newsletter angemeldet

Bitte bestätigen Sie die Newsletter-Anmeldung in Ihrer Mailbox. Günstig Damenturnschuhe Online Adidas Damensneakeramp; Superstar IeDYH9W2E